A: Ich meine aber das Bild mit dem Flapwing Flycar, dem Vogel-Flügler. Du setzt dich rein, dieser Hubschrauber ohne Hubschraube beginnt mit den Flügeln zu schlagen, die Hunde bellen, und schon hebst du ab. Würde sogar auf unserem kleinen Grundstück - ohne alle Rollbahn - funktionieren.

A: Ich meine aber das Bild mit dem Flapwing Flycar, dem Vogel-Flügler. Du setzt dich rein, dieser Hubschrauber ohne Hubschraube beginnt mit den Flügeln zu schlagen, die Hunde bellen, und schon hebst du ab. Würde sogar auf unserem kleinen Grundstück - ohne alle Rollbahn - funktionieren.
K: Und ausnahmsweise kann man sich einmal physikalisch vorstellen, wie es funktioniert.
A: Mann! Wie sich der Opel hier reindrängelt! Ist wohl wahnsinnig geworden! Als ob er davon schneller ans Ziel kommt!
K: Stellt dir vor, das wäre ein intelligentes Auto, mit Rundum-Abstandsradar und Lücken-erkennung, konfiguriert auf zeitoptimales Fahren ?
A: Aggressives Fahren meinst du wohl. Oder die Auto-Intelligenz ist einfach krank?
K: Genau. Die Autobauer wollen doch, dass sich ihre Oberklasse-Modelle per Funk über Staus hinter dem Hügel, Unfälle oder, allgemeiner, über die Verkehrsdichte verständigen und das Tempo bzw. die Routen entsprechend anpassen. Wo aber ein Netzwerk ist, da sind auch Viren. Muss doch hübsch sein, wenn Spam oder Würmer deinen Wagen befallen, dich während der Fahrt mit Werbung zudröhnen oder dich just in den Stau fahren lassen, statt ihm auszuweichen, dein Auto entführen, während du noch drin sitzt.
A: Das lässt sich doch sicher verhindern?
K: Indem du die Intelligenz abschaltest. Und den Lenker wieder selbst in die Hand nimmst.
A: Falls das dann noch möglich ist. In der Science Fiction kommt aber dergleichen noch nicht vor, oder?
K: Lass mich nachdenken. Autos, deren Türen zuschnappen und die zu Gefängnissen werden, kenne ich - aber woher? Meist werden sie jedoch von bösen Menschen ferngesteuert, sind also nicht krank oder geistesgestört in dem Sinne. Und natürlich unterhalten sich die Autos mit ihren Fahrern, warnen und nörgeln wie in "Das fünfte Element": Das kostet wieder drei Punkte in Flensburg?
A: Apropos krank: Erinnerst du dich an die Autobazillen?
K: Du meinst die von Helmut Harry Schmitz?
A: Sein Gigantic Mammoth Auto, 2000 PS mit 50 Zylindern, wird von diesen Bazillen befallen - weichen, grünlichen Gebilden, groß wie eine Münze. Ziemlich unappetitliche Sache. Und die machen das Mammut-Auto erst wahnsinnig und fressen es dann auf. - In der Zwischenzeit ist es über die Kontinente gerast und hat das Zeug überallhin verbreitet. Und zehn Jahre später gibt es kein einziges Auto mehr auf der Welt.
K: Und keinen Stau mehr.- Das Ding fuhr doch mit einer absolut geheimen Spezialsubstanz, die sich immerfort aus sich selbst erneuerte. Von Atomkraft konnte Schmitz zwar keine Ahnung haben, aber trotzdem sehe ich sein Gigantic Mammoth, das mit 1.000 Stundenkilometern über die Kontinente jagt, als einen würdigen Vorläufer des Nucleon. - Anderthalb Gramm Uran bitte für die nächsten zehn Stunden Fahrt! Wäre doch für die Tankstellenbetreiber eine ziemliche Katastrophe geworden?
A: Da fällt mir der SF-Autor Josef Nesvadba ein. Der hat das Benzinproblem viel visionärer und ohne alle Radioaktivität gelöst, so um 1960. Bei ihm hat das Gaspedal einen Saugstachel - und das Auto nuckelt auf Vampir-Weise am Fuß des Fahrers. Nicht Benzin im Blut, sondern das Blut als Benzin. Wenn das nicht ökologisch ist!
K: Vor allem ist es eine schöne Metapher für alle bleifußsüchtigen, zwanghaften Raser.
A: Zu denen du ja auch gehörst.
K: Das Automobil verheißt Tempo und Ungebundenheit, Abschied von allen Zwängen, eben freie Fahrt für freie Bürger.
A: Gleicher Stau für alle Bürger. Sagst du nicht immer, dass zwar die Autos schneller werden, aber die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sinkt?
K: Kein Wunder, dass sich die Idee vom Flugauto, also die Blech gewordene Freiheit, so penetrant hält. Aber zurück zu Bazillen und Vampir-Auto. Die haben eines gemein: die Biologisierung. Vielleicht ist ja das die Zukunft: The Bionic Car. Das Biomobil als Lebewesen. Bio-nano-cogno-mäßig aufgerüstet. Selbstdenkend, selbstlenkend. Selbstheilende Reifen, selbstheilende Karosse, rundum pflegeleicht, chämelonmäßig wandelbare Lack-Haut - so wie in diesem James-Bond-Film, wo sich das Auto quasi eine Tarnkappe überzieht. Lässt die Straßenverkehrsordnung bestimmt nicht zu.
A: Das wäre mal eine Studie wert: die James-Bond-Mobile. Immer auf neustem Stand der Gadgets. Concept Cars aus der Filmindustrie als Vorbild für die Daimlers und BMWs der Welt. Jeder Schnick und jeder Schnack wird eingebaut. Eben Kinderbuch oder Comic.
K: Bionisch heißt nachwachsende Treibstoffe, das Biomobil als Freund und Gefährte des Fahrers.
A: Und dein bionic car findet von selbst heim, wenn der Fahrer betrunken ist, und frisst Heu. Zu Ende gedacht: Das Ziel des Autos ist das Pferd?
K: Sag mal, wo ist denn der Stau geblieben? Und wieso fahren wir dann bloß 150?
Öffentliche Veranstaltungen, Diskussionen und Symposien mit Beteiligung renommierter Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft greifen die aktuelle Debatte zur Gestaltung der Zukunft der individuellen Mobilität auf und treiben sie weiter voran.
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